HINTERGRUNDBEITRAG
Generationenübergreifend handlungsfähig bleiben
Strategische Liquidität ist weit mehr als eine Barreserve. Sie kann helfen, Erbschaftsteuern, Unternehmensnachfolgen oder Gesellschafterwechsel zu bewältigen, ohne Vermögenswerte unter Druck verkaufen zu müssen. Warum sie für Unternehmerfamilien ein wichtiger Baustein langfristiger Handlungsfähigkeit sein kann.
Der Aufbau strategischer Liquidität ist im Wealth Management weit mehr als das Vorhalten von Bargeld. Es geht darum, für wichtige Eventualitäten vorbereitet zu sein. Denn von denen kann es insbesondere im Erbfall viele geben – die ohne einen Liquiditätsstock nicht nur finanziell teuer werden können. Erfahrene Vermögensmanager begegnen Liquiditätsbedarf in der Praxis besonders in drei Bereichen, die vor allem für Unternehmer und ihre Familien relevant sind.
Interessant für Sie, wenn Sie…
… vermeiden möchten, dass der Erbfall zur finanziellen Belastungsprobe für Ihre Familie wird.
… unterschiedliche individuelle Vorstellungen in der Familie ermöglichen wollen, ohne dass dies die Vermögenswerte der Familie und des Unternehmens überstrapaziert.
… mehr über mögliche Bedarfsfälle für strategische Liquidität erfahren möchten.
In der Vermögensberatung geht es um zwei zentrale Aspekte: Bestehende Vermögenswerte zu schützen – nicht zuletzt auch vor dem Zugriff Dritter – und die Handlungsfähigkeit der Familie über Jahre, teils auch Jahrzehnte zu wahren. Dabei ist gerade der Generationswechsel ein einschneidender Moment, denn im Todesfall wird das bisherige Familien- und Vermögensgefüge substanziell verändert. Oft geht es nicht allein um den Vermögensübergang an die Hinterbliebenen, sondern häufig auch um Führungsfragen.
Die „alte“ Generation kann mit ihren Entscheidungen maßgeblich dazu beitragen, dass der „Generationenwechsel“ nicht zu einem ungewollten Bruch in der Familie oder im Familienunternehmen führt. Eine klare, möglichst zu Lebzeiten abgestimmte Regelung von Vermögens- und Führungsübergaben hilft dabei entscheidend.
Trotzdem sollte auch für Unvorhergesehenes Vorsorge getroffen werden. Der Aufbau einer strategischen Liquidität, die – orientiert am „klassischen“ Richtwert der Vermögensverwaltung – etwa 5 bis 10 Prozent des Gesamt-Bruttovermögens beträgt, spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Gerade im Generationenwechsel zeigt sich der Wert strategischer Liquidität. Sie schafft die Möglichkeit, unterschiedliche Interessen innerhalb der Familie auszugleichen. Ohne Unternehmen oder Vermögenssubstanz unnötig unter Druck zu setzen.
Alexander Hopff
Leiter Dienstleistungen & Beratungsprozesse
1. Finanzierung von Erbschaftsteuer, Pflichtteilen und mehr
Wie wertvoll ein Liquiditätspuffer ist, merken die Erben schon unmittelbar nach dem Todesfall. Denn schon der reine Vermögensübergang selbst kann hohe Kosten verursachen. Neben einer möglichen Erbschaftssteuer inklusive ggf. Steuer- und Rechtsberatung fallen auch für die Beisetzung, die Testamentsvollstreckung, eine Haushaltsauflösung oder die Auszahlung von evtl. Pflichtteilsansprüchen Kosten an. Wer vermeiden will, dass die Erben in einer Phase starker emotionaler Belastung auch noch finanziellen Stress haben, sollte für Liquidität vorsorgen. Bei einem Vermögen, das (fast) ausschließlich in Assets wie Immobilien, Unternehmensbeteiligungen oder Kunst gebunden ist, können sonst Notverkäufe drohen.
Weitere Risiken lauern bei möglichen Änderungen des Erbschaftssteuerrechts oder bei Widersprüchen zwischen einem Gesellschaftervertrag und der Regelung im Testament. Die Praxis zeigt, dass mancher Erblasser keine Zeit für eine notwendige Aktualisierung aller betroffenen Regelungen gefunden hatte. Unklare oder widersprüchliche Regelungen erzeugen nicht nur Aufwand für Rechtsberatung, sondern können größeren Liquiditätsbedarf auslösen, sollten durch aktuelle Rechtsprechung zum Beispiel Verschonungsregeln geändert worden sein.
Manche Familie ist durch solche unerwarteten finanziellen und emotionalen Belastungen schon zerrissen worden. Erblasser können nicht alle Eventualitäten voraussehen, aber sie können mit frühzeitiger Liquidität strategisch vorsorgen.
2. Vorsorge für die Zukunft
Doch Liquiditätsbedarf kann nicht nur für die Familie anfallen, sondern auch im Unternehmen. Viele Erben, die die Nachfolge im Familienunternehmen antreten, haben einen anderen Blick auf die Lage im Unternehmen. Sie haben altersbedingt oft einen deutlich längeren Zeithorizont und sehen daher stärker Investitionsbedarfe.
Die „nächste Führungsgeneration“ will und muss das Unternehmen u.U. in einzelnen oder mehreren Bereichen erneuern, damit es technologisch und strategisch fit für die Zukunft wird. Digitalisierung, eine Erneuerung des Maschinenparks, die Entwicklung anderer Produkte und Leistungen, Veränderungen von Standorten – all das kann relativ kurzfristig Finanzierungsbedarfe auslösen. Damit diese mit Fremdkapital finanziert werden können, ist häufig auch eine Aufstockung der Eigenkapitalausstattung des Unternehmens durch die Gesellschafter notwendig.
Ein konkretes Beispiel: Ein Seniorchef eines mittelständischen Automobilzulieferers erleidet einen Herzinfarkt und muss umgehend die Unternehmensführung an seine beiden Söhne übergeben. Diese erkennen die Notwendigkeit eines Branchenwechsels, um dem Unternehmen neue Wachstumsperspektiven zu geben. „Defense statt Automotive“ heißt die neue Strategie – und diese erfordert große Investitionen. Nur dank eines Liquiditätspuffers gelang der „Pivot“ des Unternehmens tatsächlich binnen weniger Jahre.
3. Wenn Gesellschafter aussteigen wollen
Nicht jeder Unternehmenserbe möchte sich aber langfristig an ein Familienunternehmen binden. Auch „passive Gesellschafter“ ohne eine aktive Rolle in der Firma könnten sich nach einigen Jahren entscheiden, ihren Anteil veräußern zu wollen. Idealerweise ist für solche Fälle Vorsorge getroffen worden, die den Interessen aller Beteiligten – der verbleibenden Gesellschafter, des abgabewilligen Gesellschafters und des Unternehmens selbst – gerecht werden. Dabei zeigt sich oft: Viele Konflikte lassen sich durch entsprechende Liquidität lösen. Andersherum kann eine Regelung, die den Interessen eines Beteiligten deutlich zuwiderläuft, finanziellen und/oder emotionalen Schaden verursachen. Ein gegen den Willen ans Unternehmen gebundener Gesellschafter kann viel Unruhe auslösen und wichtige Entscheidungen zu Zukunftsinvestitionen blockieren. Strategische Liquidität erlaubt es, Ausscheidungswillige fair abzufinden und eine entscheidungsfähige Gesellschafter- (und Familienstruktur) zu erhalten.
Strategische Liquidität schützt
Liquide Anlagen wie beispielsweise Aktienfonds müssen sich bei den Renditen langfristig nicht vor illiquideren Assets wie Beteiligungen oder Immobilien verstecken. Vor allem hat aber auch die Liquidität der strategischen Anlagen an sich einen Wert, wie die Beispiele gezeigt hatten. Wie hoch dieser Wert ist, wird manchem erst dann bewusst, wenn der Preis der Illiquidität nicht mehr vermieden werden kann: Wenn Familien an Konflikten zerbrechen, die mit Liquidität hätten geheilt werden können. Dabei geht es nicht darum, Liquidität für jede Eventualität und in voller Höhe möglicher Risiken vorzuhalten; denn auch die könnte einen Preis haben, sollte sie gar nicht notwendig sein. Aber strategische Liquidität kann Zeit kaufen, Konflikte zu lösen oder weitere Liquiditätsquellen anzuzapfen. Und selbst, wenn Liquidität nicht benötigt werden sollte: Es ist doch ein beruhigendes Gefühl zu wissen, gute Voraussetzungen für eine harmonische Familienstruktur geschaffen zu haben, die Raum schafft für den Ausgleich unterschiedlicher Interessen.
Mit dem Deka Private & Wealth StrategiePlan können Sie gezielt strategische Liquidität aufbauen. So werden laufende Liquiditätsüberschüsse komfortabel und zielgerichtet gemäß Ihrer individuellen Anforderungen investiert. Das reduziert nicht nur Timing-Risiken, sondern sorgt für einen Liquiditätspuffer, an dem Sie und Ihre Erben partizipieren können.
Bestens beraten.
Sprechen Sie zur Thema strategische Liquidität gerne mit dem Private-Banking-Berater Ihrer Sparkasse. Deka Private und Wealth unterstützt ihn dabei gerne mit Know-how, Erfahrungswissen und einem Netzwerk zu weiteren, externen Experten, zum Beispiel für Rechts- und Steuerthemen.
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Alexander Hopff ist Leiter Dienstleistungen & Beratungsprozesse
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