INTERVIEW
ESG ist eine Frage der Haltung
Nachhaltigkeit ist mehr als ein Trend: Im Interview erklärt Ingo Speich, warum ESG eine Frage der Haltung ist, wie konsequente Nachhaltigkeitsstrategien langfristig Wert schaffen – und warum Dialog, Überzeugung und aktives Engagement entscheidend für zukunftsfähige Portfolios sein können.
Deka Private und Wealth traf Ingo Speich, Head of Sustainability & Corporate Governance bei Deka Investment, zum Experten-Interview.
„Vermögen verpflichtet" ist ein bekannter Leitsatz. Was beobachten Sie? Werden Portfolios im Private Banking und Wealth Management nach diesem Motto strukturiert?
Das Ziel sollte zumindest so sein. Die langfristige Wertgenerierung ist ja ein wichtiges Ziel gerade bei vermögenden Kunden. Und aus meiner Sicht generiert mit Augenmaß implementierte Nachhaltigkeit langfristig Wert. Wenn wir unterstellen, dass die Veränderungsgeschwindigkeit bei den Umwelt- und Klimaproblemen zunimmt, dann wird Nachhaltigkeit viel stärker ins Bewusstsein der breiten Kapitalanlage rücken. Die langfristigen Treiber können nicht ignoriert werden und sie müssen vernünftig im Anlageprozess integriert werden. Es geht darum Haltung zu zeigen und sich nicht nach kurzfristigen Strömungen zu richten.
Was genau meinen Sie mit „Haltung zeigen“?
ESG ist eine Frage der Haltung und nicht des Zeitgeists. Haltung bedeutet, auch bei Widerständen und Gegenwind, wie er derzeit etwa aus den USA gegen ESG-Kriterien weht, an den eingeschlagenen Prinzipien festzuhalten und nicht einzuknicken. Wir bei der Deka sind davon überzeugt, dass sich eine konsequente Haltung langfristig auszahlen wird, selbst wenn sie zeitweise gegen den Markttrend laufen sollte. Das heißt, wir wollen langfristig Wert generieren. Dazu braucht es eine gewisse Grundüberzeugung, nach welchen Kriterien Unternehmen für das Portfolio ausgesucht werden. Langfristig wird sich diese Haltung auszahlen.
Sie sprachen es an: In den USA erleben wir eine zunehmend aggressive Gegenbewegung zu ESG-Kriterien. Rechnen Sie damit, dass diese Anti-ESG-Strömung nach Europa überschwappt?
Tatsächlich geht die Entwicklung in den USA nicht spurlos an uns in Europa vorbei. Das gilt insbesondere für große Unternehmen, die ein US-Geschäft haben. Aktiengesellschaften treten aus Klimabündnissen aus oder schrauben ihre Diversity Bemühungen zurück. Einige Unternehmen nehmen das Thema Nachhaltigkeit weniger wichtig. Doch das Klima kennt keine Pause. Aus Sicht von Investoren steht die Ernsthaftigkeit und damit Glaubwürdigkeit von Vorstand und Aufsichtsrat auf dem Prüfstand. Nachhaltigkeit sollte nicht nur als Risikomanagement, sondern vielmehr als Chancenmanagement verstanden werden. Nachhaltigkeit hilft, das Geschäftsmodell frühzeitig zukunftsfest zu machen.
Welche Rolle spielen nachhaltig orientierte Fragen inzwischen auf Hauptversammlungen?
Eine zunehmend wichtige. Die angesprochene Haltung zeigen wir von der Deka mit unseren Aktivitäten auch bei den Hauptversammlungen. So sprechen wir gezielt Nachhaltigkeits- und Klimathemen aktiv an. Zum Beispiel werden wir das „say on climate“ noch stärker einfordern, also das Recht der Aktionäre, über die Klimastrategie der Firmen abzustimmen.
Reicht es aus, Unternehmen mit schlechtem Rating auszuschließen, oder ist der Dialog der wirksamere Hebel für ein zukunftsfähiges Portfolio?
Wir führen zahlreiche Engagement-Gespräche, um unseren aktiven Dialog mit Unternehmen weiter zu stärken. Diese Gespräche sind ein zentraler Bestandteil unserer nachhaltigen Investmentstrategie und unterstreichen unser Engagement, verantwortungsbewusstes Handeln in den Unternehmen, in die wir investieren, zu fördern.
Die Produkte und Strategien von Deka Investment werden regelmäßig ausgezeichnet. Zuletzt gab es von Scope Awards in den Kategorien bester Asset Manager ESG Universalanbieter sowie ESG Aktienfonds. Was machen Sie anders als der Wettbewerb?
Ja, mittlerweile können wir einige Auszeichnungen vorweisen. Ich denke, dass auch das angesprochene Haltungsthema sehr stark da darauf einzahlt. Und die Kontinuität der vergangenen Jahre bei Deka Investment zahlt sich aus. Bei den sehr schnellen und wechselhaften Entwicklungen ist ein starkes und motiviertes Team die Basis für den Erfolg. Wir sehen uns als einer der Vorreiter bei der Einbindung von Nachhaltigkeit in konkrete Anlagestrategien. Und mit unserer Expertise unterstützen wir Anleger beim Aufbau einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Vermögensanlage. Die Produktqualität ist hoch. Die Fonds, ob aktiv oder passiv gemanagt, können nicht nur Risiken im Portfolio reduzieren, sondern bieten auch Chancen auf eine Outperformance der traditionellen Benchmark.
Das Thema Rüstung ist bei der Deka – anders als bei anderen Asset Manager – nicht Teil der nachhaltigen Strategien. Bleibt das so?
Unsere Ausrichtung ist hier ganz klar. Es gilt bei unseren Fonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen weiterhin der konsequente Ausschluss von Rüstung. Gleichzeitig bietet die Deka jedoch mit dem Deka-Security and Defense Fonds ein entsprechendes Portfolio an, das im Übrigen nicht nur auf Rüstung abstellt, sondern vor allem auf Sicherheitsaspekte wie Cybersicherheit und andere Themen. Es handelt sich hier aber nicht um einen Fonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen.
Sind Sie grundsätzlich optimistisch, was die nächsten Jahre angeht? Wie wird sich das Thema nachhaltige Geldanlage weiter entwickeln?
Wir merken deutlich, dass weiterhin große Nachfrage besteht. Die Klimarisiken werden bedeutender. Es gibt noch einiges zu tun, gerade auch im Bereich Governance. Klar ist aber auch: Die Entscheidung, was nachhaltig ist und in welche Produkte investiert wird, liegt individuell bei den Investoren. Deshalb ist es so wichtig, dass sich Anleger im Beratungsprozess konkret mit der Thematik auseinandersetzen und ihre eigenen Wünsche und Ideen formulieren.
Anlegerinnen und Anleger sollten beachten: Finanzanlagen sind mit Risiken verbunden und können zu Verlusten führen.
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Hintergrundbeitrag "Warum das G in ESG immer wichtiger wird"
Nachhaltigkeit geht über Umweltaspekte hinaus: Warum Governance zum entscheidenden Erfolgsfaktor wird, wie Unternehmen Risiken frühzeitig erkennen und Resilienz stärken – und welche konkreten Schritte jetzt nötig sind, um Geschäftsmodelle zukunftsfähig aufzustellen.
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Ingo Speich ist Head of Sustainability & Corporate Governance bei Deka Investment
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Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen Basisinformationsblätter, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de, erhalten. Eine Zusammenfassung der Anlegerrechte in deutscher Sprache inklusive weiterer Informationen zu Instrumenten der kollektiven Rechtsdurchsetzung erhalten Sie auf www.deka.de/beschwerdemanagement Die Verwaltungsgesellschaft des Investmentfonds kann jederzeit beschließen, den Vertrieb einzustellen.
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